Was gehört in ein Salesforce MVP – und was nicht?
Ein Salesforce MVP (Minimum Viable Product) ist der pragmatische Start in ein CRM-Projekt: Du setzt in kurzer Zeit genau die Funktionen um, die sofort messbaren Nutzen liefern – und verschiebst alles, was „nice to have“ ist, bewusst in spätere Phasen.
Als zertifizierter Salesforce Partner mit Expertise aus über 150 Salesforce Projekten unterstützen wir bei cloudworx Unternehmen dabei, Salesforce so einzuführen, dass Scope, Aufwand und Erwartungen von Anfang an klar sind.
In diesem Artikel zeigen wir dir klar und verständlich: Was sollte in ein Salesforce MVP – und was gehört besser in spätere Phasen? Damit du schnell live gehst, Akzeptanz im Team bekommst und trotzdem ein Fundament baust, das sich später sauber erweitern lässt.
Hier ist eine kurze Übersicht über die wichtigsten Fragen, bevor wir in die Tiefe gehen.
Salesforce MVP: Das Wichtigste auf einen Blick
Was ist ein Salesforce MVP?
Die kleinste sinnvolle Salesforce-Lösung, die einen Kernprozess Ende-zu-Ende stabil abbildet und im Alltag echten Nutzen liefert.
Wie lange dauert ein Salesforce MVP typischerweise?
Ein MVP ist so geschnitten, dass es in wenigen Wochen umsetzbar ist. Davor steht meist eine kurze Analysephase, damit Scope, Zielbild und Erfolgskriterien klar sind. Als grobe Orientierung gilt oft: nicht länger als 10 Wochen.
Was gehört unbedingt in ein Salesforce MVP?
Kernprozess, sauberes Daten- und Berechtigungs-Setup, minimale Konfiguration für Stabilität sowie Reporting für die wichtigsten KPIs.
Wie entscheidet man Must-have vs. Nice-to-have?
Leitfrage: „Was muss live sein, damit der Kernprozess funktioniert und messbaren Nutzen bringt?“ Alles andere kommt priorisiert in Phase 2/3.
Wenn du jetzt tiefer in das Thema einsteigen möchtest, schauen wir als Nächstes darauf, wie ein MVP in der Praxis aufgebaut wird – und welche Bausteine wirklich dazugehören.
Was ist ein Salesforce MVP?
Salesforce MVP – einfach erklärt
Ein Salesforce MVP (Minimum Viable Product) ist die kleinste sinnvolle Salesforce-Lösung, die einen Kernprozess Ende-zu-Ende stabil abbildet und echten Business-Mehrwert liefert. Der Fokus liegt auf begrenztem Scope und Must-haves, damit ihr schnell live geht und danach strukturiert ausbauen könnt.
Was steckt im MVP konkret drin – als Vorgehen gedacht
Damit ein MVP schnell und tragfähig wird, startet es mit einer kompakten Vorarbeit: Ziele und Scope klären, den Kernprozess grob modellieren, das Datenmodell für den MVP-Scope festziehen und die Must-haves priorisieren.
Wichtig ist die Dokumentation: Was ist im MVP enthalten, was wurde bewusst in Phase 2/3 verschoben – damit der Ausbau später planbar bleibt.
Was ein Salesforce MVP nicht ist
Ein MVP ist nicht:
- ein kompletter Endausbau inkl. aller Sonderfälle, Integrationen und Wunschfeatures
- ein reines IT-Projekt ohne klare Erfolgsdefinition für das Business
Warum ein Salesforce MVP sinnvoll ist
Ein Salesforce MVP ist sinnvoll, weil du damit bewusst früh Nutzen sichtbar machst, ohne dich von Anfang an in Komplexität zu verlieren. Statt „alles auf einmal“ zu bauen, bringst du einen Kernprozess stabil live – und schaffst damit eine Grundlage, auf der du später strukturiert weiterentwickeln kannst.
Ein MVP hilft dir dabei:
- den Prozess in der Praxis zu testen – du merkst schnell, was funktioniert, und sammelst Ideen für Phase 2/3
- schnell live zu gehen und früh messbaren Mehrwert zu erzielen
- Projektrisiken & Komplexität zu reduzieren, weil der Fokus klar bleibt
- flexibel zu bleiben, ohne spätere Optionen oder Ausbaustufen zu verbauen
Wichtig: Ein gut aufgebautes MVP ist kein Provisorium, sondern der Startpunkt für einen planbaren Ausbau in Phase 2 und 3.
Unterschiede zum klassischen Implementierungsansatz MVP vs. „wir bauen gleich alles“
Der größte Unterschied ist nicht die Technik, sondern die Priorisierung:
- Beim MVP fokussierst du dich auf einen klaren Kernprozess (z. B. Lead → Opportunity → Abschluss) und bringst ihn so live, dass er im Alltag funktioniert.
- Bei „Full Scope“ deckt man oft viele Prozesse, Sonderfälle und Wünsche auf einmal ab – häufig inklusive umfangreicher Automatisierung. Das braucht mehr Abstimmung und dauert länger. Spätere Änderungen werden teurer, weil Abhängigkeiten entstehen.
Je mehr Stakeholder, Abhängigkeiten und Daten-/Prozessvielfalt, desto wichtiger wird ein belastbares Fundament (Prozesse, Datenmodell, Governance) – sonst wird es später teuer (Geld und Zeit). Und: Wenn der Start zu komplex ist, leidet oft auch die User-Akzeptanz, weil Teams schneller frustriert sind oder Workarounds bauen.
Ein hilfreicher Merksatz für Entscheider:
Alles, was nicht zwingend nötig ist, um den Kernprozess sauber zu nutzen und zu steuern, gehört eher in spätere Phasen.
Was gehört unbedingt in ein Salesforce MVP?
1) Ein klarer Kernprozess, der Ende-zu-Ende funktioniert
Wähle einen Prozess, der den schnellsten messbaren Nutzen bringt, z. B.:
- Vertrieb: Lead → Qualifizierung → Opportunity → Abschluss
- Service: Case-Erfassung → Bearbeitung → Abschluss
Wichtig: Lieber ein Prozess sauber als drei Prozesse „halb“.
Praxis-Hinweis: Manchmal spielen auch Stakeholder- bzw. „politische“ Faktoren eine Rolle – z. B. wenn für das Management-Buy-in ein bestimmter Prozessschritt im MVP sichtbar sein muss. Dann sollte man ihn bewusst aufnehmen, aber so klein wie möglich schneiden, damit der MVP-Fokus (stabiler Kernprozess, schneller Nutzen) nicht verloren geht.
2) Erfassung von Anforderungen – aber schlank und zielgerichtet
Im MVP reicht nicht „wir sammeln mal alles“, sondern:
- Treffen und Gespräche mit Entscheider:innen und End Usern, um Ziele, Erwartungen und den realen Prozess zu verstehen. Das sorgt für Alignment – denn Entscheider kennen die Abläufe oft weniger detailliert als die Teams im Alltag.
- klare Priorisierung in Must-have vs. Nice-to-have
- Fokus auf messbare Ergebnisse (z. B. Transparenz im Pipeline-Reporting, weniger manuelle Schritte)
3) Analyse bestehender Prozesse + Erstellung von Prozesslandkarten (nur für den MVP-Scope)
Du brauchst genug Klarheit, um später nicht zurückzubauen:
- Analyse bestehender Prozesse – inkl. kritischem Blick: Was kann man vereinfachen, bevor man automatisiert?
- Erstellung von Prozesslandkarten für genau den MVP-Prozess
So entsteht ein gemeinsames Bild zwischen Business und Implementierung.
4) Erstellung von Datenmodellen als belastbare Basis
Ein MVP steht und fällt mit Daten:
- Erstellung von Datenmodellen (welche Datenobjekte, Beziehungen, Pflichtfelder)
- saubere Minimal-Regeln für Datenqualität (damit Reporting nicht „Müll rein, Müll raus“ wird)
5) Identifizierung von Anpassungen und Konfigurationen – aber MVP-gerecht
Ja, auch im MVP braucht es Konfiguration. Aber nur das, was den Kernprozess stabil macht:
- Definition von Feldern, Objekten, Abhängigkeiten
- sinnvolle Validierungsregeln für Datenqualität (nicht zu viele, sonst blockiert es das Business)
- einfache Automatisierungsprozessen mit hohem Effekt (z.B. Erstellung vom Vertrag, wenn die Opportunity gewonnen ist)
- Eine saubere Oberfläche/UX ist im MVP ein zentraler Hebel für Akzeptanz und Buy-in – sie ist das Erste, was Nutzer sehen.
6) Rollen, Zugriff und Sicherheit – pragmatisch statt „perfekt“
Ein MVP muss im Alltag sicher nutzbar sein, ohne dass Anwender ständig gegen Berechtigungen laufen.
- Rollen/Teams grob sauber abbilden (z. B. Vertrieb, Service, Management)
- Sichtbarkeit so definieren, dass sensible Daten geschützt sind
- Ziel: „funktioniert sofort“ statt „100% Governance-Endausbau“
7) Minimal-Reporting für Steuerung und Akzeptanz
Ohne sichtbare Ergebnisse wirkt Salesforce schnell wie „noch ein Tool“. Ein MVP braucht daher wenige, aber relevante KPIs.
- 1–3 Kern-Dashboards für Entscheider (z. B. Pipeline, Aktivitäten, Case-Volumen)
- operative Listen/Views für Teams (z. B. „Meine offenen Opportunities/Cases“)
- Fokus: Entscheiden & steuern, nicht „BI-Projekt“
8) Datenübernahme in MVP-Qualität (nicht „alles migrieren“)
Für den Start reicht oft ein sauberer Kernbestand – Hauptsache, der Kernprozess läuft ohne Workarounds.
- relevante Stamm- und Bewegungsdaten für den MVP-Prozess
- Bereinigung bei der Migration (z. B. Dubletten prüfen/entfernen, Pflichtfelder befüllen) und klare Standards für die laufende Datenqualität
- Ziel: Nutzbar ab Tag 1 – lieber den Kernbestand sauber migrieren, statt sofort alle Altdaten zu übernehmen („Datenmuseum“).
9) Dokumentation der Anforderungen – als Brücke in spätere Phasen
Gerade weil du bewusst nicht alles machst, muss klar sein, was umgesetzt wurde und was später kommt.
- Dokumentation der Anforderungen (inkl. bewusster Verschiebungen)
- Erstellung von User Stories (kurz und priorisiert), damit Anforderungen später klar umsetzbar bleiben
- klare „Phase-2-Liste“ mit Begründung (warum nicht MVP)
- Ergebnis: spätere Phasen werden schneller, günstiger und weniger streitanfällig
Was kann warten? – Funktionen für spätere Phasen
Erweiterte Automatisierung
Komplexe, verschachtelte Flows, mehrstufige Genehmigungsprozesse und Spezialfälle lohnen sich meist erst, wenn der Kernprozess stabil läuft und klar ist, welche Automatisierung wirklich den größten Hebel bringt.
Integrationen & APIs
Schnittstellen zu ERP, Buchhaltung, DWH/BI oder Marketing-Plattformen sind häufig Phase-2-Themen, weil sie zusätzliche Abstimmung, Datenlogik und Betriebskonzepte brauchen. Im MVP reicht oft ein sauberer, manueller oder teilautomatisierter Startprozess als Übergang.
Umfangreiche Custom Objects und Spezialdatenmodelle
Im MVP sollte die Erstellung von Datenmodellen pragmatisch bleiben. Stark individualisierte Datenstrukturen und komplexe Objektlandschaften gehören in spätere Phasen, wenn klar ist, welche Informationen wirklich dauerhaft benötigt werden.
„Nice-to-have“-Features und Komfortfunktionen
Alles, was primär „schön“ ist (zusätzliche Ansichten, selten genutzte Felder, Sonderreports), kann warten. Erst wenn das Team den Kernprozess lebt, lohnt es sich, Komfort gezielt auszubauen.
KI-/Analytics-Ausbau
Themen wie weitergehende Prognosen, Scoring-Modelle oder umfassende Analytics liefern erst dann verlässliche Ergebnisse, wenn Datenqualität und Nutzung stimmen. Deshalb sind sie oft bewusst nachgelagert.
Multi-Team- und Governance-Ausbau
Dinge wie ausgefeilte Release-Prozesse, umfangreiche DevOps-Strukturen oder sehr granulare Compliance-Setups sind wichtig – aber häufig nicht die ersten Hebel für schnellen Business-Mehrwert. Im MVP genügt eine klare, schlanke Betriebs- und Änderungslogik.
Wie du ein MVP steuerst (Definition of Done & Ausbaupfad)
Zwei Dinge verhindern Endlos-Projekte: klare Erfolgskriterien und ein sauber priorisierter Backlog.
Erfolgskriterien definieren (damit „MVP fertig“ objektiv wird)
Ein MVP scheitert selten an Technik, sondern daran, dass niemand klar sagen kann, wann es „fertig genug“ ist. Deshalb helfen simple Kriterien, die ein Entscheider sofort versteht:
- Wird der Kernprozess im Alltag genutzt?
- Sind die wichtigsten Daten verlässlich?
- Kann ich die zentralen KPIs im Reporting sehen?
- Und sparen wir bereits Zeit oder schaffen mehr Transparenz als vorher?
Wenn diese Fragen mit „ja“ beantwortet werden, ist das MVP erfolgreich – auch wenn noch nicht alle Wunschthemen umgesetzt sind.
Must-have vs. Nice-to-have – und der Backlog als Geheimwaffe
Der beste MVP-Trick ist nicht „hart nein sagen“, sondern sauber strukturieren: Alles, was nicht MVP ist, wird nicht ignoriert, sondern in einen Backlog für spätere Phasen überführt. Wichtig ist, dass dieser Backlog, also die Liste von Themen nicht nur „Ideen“ enthält, sondern schon eine erste Logik: Was kommt in Phase 2, was in Phase 3 – und wovon hängt es ab (z. B. Datenqualität, Nutzerreife, Integrationsentscheidung)? Genau hier wird aus dem MVP ein planbarer Ausbaupfad statt eines endlosen Projekts.
Häufige Fehler bei Salesforce MVPs
Ein MVP ist eigentlich ein Schutzmechanismus gegen Scope-Creep – trotzdem passieren in der Praxis ein paar typische Dinge, die den „schnellen Nutzen“ ausbremsen.
1) Zu viel auf einmal (Scope-Creep)
Wenn mehrere Prozesse, Sonderfälle oder „alles für alle“ ins MVP wandern, wird es langsam – und der Nutzen bleibt unsichtbar.
2) Must-have vs. Nice-to-have nicht konsequent trennen
Ohne harte Priorisierung wird diskutiert statt geliefert. Entscheidend ist: Was muss live sein, damit der Kernprozess funktioniert und messbaren Nutzen bringt?
3) Datenqualität unterschätzen (Datenmodell, Pflichtangaben, Dubletten)
Schlechte Daten führen zu schlechtem Reporting und Frust – viele „Salesforce funktioniert nicht“-Momente sind Datenqualitätsprobleme.
4) Zu viel Komplexität am Anfang (Validierungen, Automatisierung, Governance) + zu wenig Enablement
Zu strenge Regeln blockieren Nutzer, zu komplexe Automatisierung ist schwer umzubauen – und ohne klares „So arbeiten wir jetzt“ fehlt Akzeptanz trotz guter Technik.
Fazit
Ein Salesforce MVP ist der beste Einstieg, wenn du schnell Ergebnisse sehen willst, ohne dich zu früh in Komplexität zu verlieren. Statt „alles auf einmal“ setzt du bewusst auf einen klaren Kernprozess, eine saubere Basis aus Anforderungen, Prozessen und Daten – und bringst genau das live, was im Alltag wirklich Nutzen stiftet.
Der entscheidende Vorteil: Du reduzierst Risiko, schaffst schneller Akzeptanz im Team und baust gleichzeitig ein Fundament, das sich später strukturiert erweitern lässt. Alles, was nicht ins MVP gehört, geht nicht verloren, sondern wandert in einen priorisierten Backlog für die nächsten Phasen.
Wenn du dich gerade fragst, wie ein MVP für dich aussehen könnte, lohnt sich oft ein kurzes, unverbindliches Gespräch, in dem wir zusammen überlegen, welchen Prozess ihr wirklich jetzt braucht und was auch später noch gemacht werden kann. Falls das für dich relevant klingt, kannst du uns hier eine Nachricht schicken.
Die Autorin
Sarah Griggs
Consulting Developer
Als gebürtige Britin ist Sarah in Frankreich aufgewachsen und nun in München gelandet. Nach Ihrem Master-Studium in Business Management in Paris hat sie zunächst zwei Jahre als Projektmanagerin gearbeitet und setzt ihr Wissen und ihre Erfahrung nun bei unseren Kunden ein. Ihre Freizeit verbringt Sarah am liebsten mit Sport, HipHop-Tanz und Musikkonzerten.