Corona-Psyche

Wie können Firmen ihre Mitarbeiter*innen jetzt unterstützen?

Die Corona-Krise ist psychisch eine enorme Herausforderung für alle. Was können Unternehmen jetzt tun, um ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu entlasten?

Klar, die IHK und da RKI geben ganze genaue Richtlinien vor, was Unternehmen an Hygienemaßnahmen zu treffen haben. Aber das beruhigt noch lange nicht jeden und jede. Es ist wichtig, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit ihren Ängsten nicht allein zu lassen. Nicht alle fühlen sich trotz der hohen Sicherheitsvorkehrungen wohl. Es herrscht immer noch ein hohes Maß an Unsicherheit und Verwirrung angesichts der jetzigen Situation. Das ist auch alles andere als verwunderlich bei all der Ungewissheit, was COVID-19 angeht. Von Fachleuten und Regierung bis zu den Medien – die Unberechenbarkeit dieser neuen Situationen fordert die Instanzen auf jeder Ebene heraus, auf die Sorgen und Ängste der Bevölkerung einzugehen. Die psychosoziale Belastung ist infolge von Lockdown und der ökonomischen und gesellschaftlichen Konsequenzen enorm und ist eine ebensolche Herausforderung für die Arbeitswelt - und nicht nur auf finanzieller Ebene. Umso wichtiger ist es jetzt für Unternehmen, Solidarität für ihre Mitarbeiter*innen zu bekunden und den Arbeitsplatz als etwas zu definieren, was Menschen Sicherheit gibt.

Wir haben Tipps anhand der Empfehlungen des Ärzteblatts* für euch zusammengestellt, von denen wir glauben, dass Firmen und Arbeitnehmer*innen gleichermaßen von ihnen profitieren.

  • Platz für Emotionen schaffen

Dem Ärzteblatt zufolge ist „die Normalisierung von starken Emotionen als Reaktion auf die Epidemie“* sehr wichtig. Den Patienten sollte vermittelt werden, dass das Auftreten von Emotionen wie Angst und Furcht, Desorientierung, Traurigkeit, aber auch Wut oder Ärger eine grundsätzliche normale Reaktion auf ein außergewöhnliches Ereignis ist.“ Es ist normal, dass verschiedene Menschen unterschiedlich auf eine Ausnahmesituation wie die jetzige reagieren. Umso wichtiger ist es, diese Emotionen zuzulassen und nicht zu tabuisieren, oder so zu tun, als wäre alles wie gewohnt, oder die Lage gar herunterzuspielen.

Unsicherheiten und Sorgen werden normalerweise am Arbeitsplatz eher nicht thematisiert. Ändere das! Gehe mit gutem Beispiel voran und teile deine Ängste mit deinen Mitarbeiter*innen oder Kolleg*innen. Ermutige das Team, ein offenes Ohr füreinander zu haben, schaffe gezielt Raum für persönliche Gespräche oder stelle eine*n Spezialist*in ein. Zwinge aber niemanden, etwas zu teilen, wenn er oder sie das nicht möchte. Vermittle nur das Gefühl, dass negative Gefühle ebenso Platz haben wie positive.

  • Kontrolle zurückgeben

Das Ärzteblatt empfiehlt, das „Gefühl von Kontrolle her[zu]stellen durch Setzen von konkreten Zielen“*. In einer Zeit, in der man inmitten von ständig wechselnden Vorschriften und unklaren Risikoeinschätzungen in einem Sumpf voller Unklarheiten umherwatet, hilft es Menschen, zu erleben, dass sie immer noch wichtig und relevant sind. Wenn man die Erfahrung macht, dass man quasi unentbehrlich ist und die eigene Arbeit gesehen und geschätzt wird, entsteht, wenn richtig angestellt, kein Gefühl von Überforderung, sondern im Gegenteil: von Relevanz! Diese Erfahrung von Relevanz der eigenen Person nennt man Selbstwirksamkeitserfahrung. Diese führt langfristig Resilienz, also emotionaler Stabilität.

Bei Führungskräften kann das so aussehen, dass sie ihren Mitarbeiter*innen so gut wertschätzend begegnen und dafür sorgen, dass sie arbeitstechnisch ausgelastet, aber nicht überfordert sind, auch wenn die Aufgaben sich im Zuge der Krise im Unternehmen verändern können. Hier gilt es also auch, transparent zu sein und Vertrauen in den Mitarbeiter oder die Mitarbeiterin stärken, was uns direkt zum nächsten Punkt führt.

  • Vertrauen stärken

Kommuniziere Veränderungsprozesse im Unternehmen offen und transparent. Dadurch verschwinden Ungewissheiten bei den Mitarbeiter*innen. Im Gegenzug stärkst du damit auch das Vertrauen in dich. Du kannst deine Mitarbeiter*innen auch direkt dazu auffordern, bei Unklarheiten lieber zweimal nachzufragen, und außerdem ein offenes Ohr anzubieten. Wenn du dich als Führungsperson nicht emotional stark oder qualifiziert genug dafür fühlst, lohnt sich die Erwägung zu psychologischer Betreuung in deiner Firma, was selbstverständlich von der Größe der Firma abhängt.

Das Teamgefühl zu stärken ist mit allen verfügbaren Mitteln ebenfalls unabdinglich. Indem du offen mit deinen Mitarbeiter*innen oder Kolleg*innen kommunizierst, vermittelst du das Gefühl: „Wir sind alle im selben Boot“. Je nach Möglichkeit bieten sich Remote Team Events über Google Hangouts, Microsoft Teams an oder speziellen Game-Apps, wie Scribbl, an.

  • Gesunde Ernährung, Sport und Meditation

Die Ernährung hat maßgeblichen Einfluss auf die Gehirnchemie. Eine gesunde Ernährung hat daher einen positiven Einfluss auf die Stimmung und reduziert sogar nachweislich psychische Krankheiten. Als Arbeitgeber*in ist es deshalb wichtig, wenn nicht wesentlich, deinen Mitarbeiter*innen gesunde Snacks oder Alternativen zur Kantine zu geben. Obst- und Gemüsekörbe können in wöchentlichen Iterationen ins Büro bestellt werden.

Die positiven Wirkungen von Sport sind vermutlich schon weitgehend bekannt, aber auch kleine Bewegungseinheiten können Stoffwechsel, Immunsystem und Stimmung ankurbeln. Wenn ein Fitnessstudio oder Personal Trainer aus finanziellen oder hygienischen Gründen nicht möglich sind, gibt es auch die Möglichkeit, sich mit den Kolleg*innen zum Laufen zu verabreden oder die Yoga-Matte für eine 20-minütige Session ins Büro mitzunehmen.

Auch Meditation hat mit vergleichsweise geringem Aufwand die größte Wirkung. Meditation hilft gegen nachweislich gegen Stress, hohen Blutdruck, beugt Krankheiten vor, verbessert die Stimmung, das Gedächtnis, fördert die Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit und insgesamt die kognitiven Fähigkeiten. Nur 5 Minuten am Tag reichen, um eine positive Veränderung nachhaltig zu spüren. Nur 10 Minuten mit der App „Headspace“ reichen, um einen klaren Kopf zu bekommen. Motiviere deine Mitarbeiter*innen dazu, oder noch besser: macht die Sessions gemeinsam.

  • Hygiene-Vorschläge der Mitarbeiter*innen ernst nehmen

Alle Hygiene-Maßnahmen können natürlich nicht die Immunität deiner Mitarbeiter*innen garantieren. Dennoch sollte man nicht darauf verzichten, die Ängste und Wünsche seiner Mitarbeiter*innen ernst zu nehmen. Das heißt auch, mehr Hygieneartikel bereitzustellen, als vorgeschrieben, Abstandmöglichkeiten garantieren und die Option des remote-Arbeitens aufrecht zu erhalten.

Natürlich geht es nicht darum, deinen Mitarbeiter*innen den Mund verbieten. Ermutige deine Mitarbeiter*innen stattdessen, sich mit seriösen Quellen zu befassen, wie den Daten und Informationen des RKI, des BMG (Bundesministerium für Gesundheit), sowie der WHO.

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